Presseecho

 

Mr. Speiche’s Monokel Blues Band & Friends With Achim Mentzel / Butter & Beton Kritik von Rocktimes.de – Mike Kempf

 

Spielzeit: 69:02
Medium: CD
Label: Busch Funk, 2012
Stil: Blues Rock



Review vom 30.12.2011

Mike Kempf

Das Jahr kann für mich, rein musikalisch betrachtet, kaum besser beginnen und präsentiert mir gleich einen absoluten Kracher! Und nicht nur das, spiegelt die mir vorliegende Tonkonserve “Butter & Beton” zum Teil mein tollstes Live-Erlebnis des vergangenen Jahres wider, als ich mit meinem Kollegen Holger am 27. Oktober 2011 das Kesselhaus aufsuchte, um mir die Geburtstagsveranstaltung zum 35-jährigen Bandbestehen der Monokel Blues Band und gleichzeitig den 65. Geburtstag von Speiche, dem Urgestein der Band, reinzuziehen.

Während “Der Kindertraum”, der Opener der Platte, aus meinen Boxen ertönt, steht meine Körperbehaarung vor Freude zu Berge, werden umgehend die Erinnerungen wach, als wir beim Gig an vorderster Front standen und uns gut vier Stunden vom gebotenen Blues Rock der legendären Ost-Berliner Kapelle zur vollsten Zufriedenheit verwöhnen ließen. Bernd ‘Zuppe’ Buchholz begrüßt mit einem rollenden ‘R’ die Fans und weiter: »Die errsten drrei Gäste befinden sich berreits hier auf der Bühne. Begrrüßt mit mir am Keyboarrd Wolfgang ‘Boddi’ Bodag…«. Beim folgendem “Bye Bye Lübben City” offenbaren die Gitarristen Heinz Glass und Jürgen ‘Jay’ Bailey erstklassige Soli, die ich als ausgesprochen gut empfinde und sich die Vergleiche mit internationalen Top-Klampfern nicht scheuen brauchen. Dazu bläst ihr Band-Freund Sören Birke glänzend in seine Harp und gibt dem Song das gewisse Etwas.

Dass ‘Hau-Drauf-Experte’ Olli Becker sein Handwerk an seiner Schießbude versteht, unterstreicht Track Nummer vier, “Drums”, und wie es der Titel vermuten lässt gibt es ein knapp zweieinhalbminütiges Drumsolo, dabei wird er noch von Percussionseinlagen Tina Powileits unterstützt, die später bei vier weiteren Songs mitwirkt. Mit dem “Boogie Mobil” wird das Tempo erhöht und über “Das Landei” zur “Oma Krüger” gebraust. Bevor ‘die Oma’ den über 1.000 Fans offenbart wird, gibt der Frontmann den Anwesenden folgenden Rat:»Achtet das Alterr, denn es ist Eurre Zukunft. Oma Krrügerr«. Das Teil muss man sich als Hörprobe gönnen.

So wie es sich für ein erstklassiges Blues Rock-Album gehört, wird mit viel Rhythmus, tollen Gitarrensoli, tiefem Bassgezupfe, schlagstarken Drums und einer, vielleicht nicht wunderschönen, dafür aber sehr prägnanten und ausdrucksstarken Stimme, für die ‘Zuppe’ verantwortlich ist, gearbeitet.

Einer meiner persönlichen Favoriten ist “Schwarze Marie”, für mich der Klassiker schlechthin, der sich glänzend fürs eigene Refrain-Gesinge, sprich das Mitzwitschern von ‘Schwarze Marie’, eignet. Dabei wird das Teil mit wundervoller, hintergründiger Klampferei begleitet und hinterlässt bei mir bleibende (positive) Schäden! Egal wer die Sechssaiter in Szene setzt, sowohl Glass als auch Bailey wechseln sich ständig mit den Soli ab und hinterlassen Beide ein sehr gekonntes, ausgewogenes Gitarrenspiel der Spitzenklasse.

Kaum habe ich die “Schwarze Marie” verdaut, ertönt mit “Der Schreier” ein weiteres Highlight. Highlight deshalb, weil ‘Zuppe’ neben seinem Gesangsvortrag auch seine Mundharmonika bedient, sich im Verbund mit Gast-Harper Birke die Lunge freipustet und Bläser Reinhard Schmid am Saxophon noch ein paar tolle ‘Gewürznoten’ beimischt. Zum Ende hin wird das Stück von den Stromklampfen in voller Fahrt nach Hause gefahren. An dieser Stelle ein Zwischenlob von mir: Das ist Blues Rock aus Deutschland der Güteklasse A!

Bevor der Spezial-Gast Achim Mentzel Little Richards “Lucille” zum Besten gibt, werden die einzigen englischsprachigen Tracks der Platte (plus “Lucille”Smilie: ;), “Tell Me” und “You Talk Too Much” vorgetragen. Das von Glass gesungene “Tell Me” ist mit einer Länge von über elf Minuten der Longplayer des Silberlings, bietet zahlreiche Soli von Birkes Harp, Wolfgang ‘Boddi’ Bodags Keyboard, den E-Gitarren der Herren Wille Borchert, Bailey, dem Sänger des Stücks und dem Saxophonisten Schmid. In der Gesamtheit ergibt es ein absolutes Filet-Stück. Auch hier – unbedingt mal reinhören!

“You Talk Too Much” steht ganz klar im Fokus der Harmonika-Spezis Birke und ‘Zuppe’. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als wir ein paar Meter vor dem Gast-Harper standen, er unaufhörlich in sein Instrument blies und sich dabei völlig verausgabte! Während ich schon Müdigkeitsattacken beim Aufblasen eines simplen Luftballons bekomme, kann Sören sicherlich problemlos eine Glühbirne auspusten. Wenn es darum geht, die Maße seines Lungenvolumes zu ermitteln, dürfte er ein Kandidat fürs Buch der Rekorde sein. Für den Gesang ist diesmal Bailey zuständig.

Zum Schluss heißt es Showtime für Mentzel! Dieser wird vom Moderator des Events Michael Rauhut angekündigt und er teilt den Fans mit, dass er und Speiche erstmals nach 46 Jahren wieder gemeinsam auf der Bühne stehen! Im Übrigen ist Rauhuts gesprochene Einleitung vom 27. Oktober des letzten Jahres zwar nicht auf der Platte berücksichtigt, dafür aber Wort für Wort zum Nachlesen im Booklet abgedruckt. Ein guter Service! Dann heißt es mit “Lucille” von der Rock-Ikone aus den Fünfzigern Little Richard, Rock’n’Roll pur und man kann förmlich die Zeit des Petticoats spüren. Letztlich brilliert das Teil nicht wegen der tollen Stimmbänder Mentzels, sondern eher wegen der dargebotenen Dynamik, und auch hier werden Bilder meines Langzeitgedächtnisses wach, und ich sehe noch die Bilder vor Augen, als der leicht übergewichtige ‘Wirbelwind’ über die Bühne peste.

Fazit: Ich habe eben ein deutschsprachiges Blues Rock-Album gecheckt, das sich in bemerkenswertem, erstklassigen Live-Sound offenbart. Dabei dürften dem Monokel-Fan alle Songs bekannt sein, handelt es sich hierbei fast nur um Klassiker der Kapelle oder gecoverten Stücken, die sich fest in der Rockgeschichte etabliert haben. Dass die Ost-Berliner Band sich als perfekte Live-Truppe präsentiert, ist genauso bemerkenswert wie die Tatsache, dass jeder einzelne Musiker eindrucksvoll seine sehr guten Fähigkeiten am jeweiligen Spielgerät demonstriert! Was bleibt mir anderes übrig, nachdem ich eine Top-Platte zu Gehör bekam, es keine Schwachstellen gibt, der Sound perfekt abgemischt wurde, die Spielzeit des Silberscheibchens perfekt ausgereizt ist und die Hauptprotagonisten dafür sorgen, dass ich auf ‘Wolke 7′ schwebe? Genau, ich komme an einem Tipp nicht vorbei!

Line-up:
Jörg ‘Speiche’ Schütze (Bass – #1-3, 5-12)
Heinz Glass (Gesang #10, Gitarre – #1-3, 5-12)
Jürgen ‘Jay’ Bailey (Gesang – #11, Gitarre – #1-3, 5-12)
Bernd ‘Zuppe’ Buchholz (Gesang – #1-3, 5-12, Harmonika – #1-3, 5-9)
Olli Becker (Gesang, Schlagzeug)

Freunde:
Wolfgang ‘Boddi’ Bodag (Gesang, Keyboard – #1-3, 5-12)
Tina Powileit (Schlagzeug, Percussion – #4-6, 8, 9)
Wille Borchert (Gitarre – #1-3, 5-12)
Pad Schneider (Gitarre – #12)
Sören Birke (Gesang, Harmonika – #1-3, 5-7, 9-11)
Reinhard Schmid (Saxefon – #10-12)

Spezial-Gast:
Achim Mentzel (Gesang – #12)

Kritik v. Deusche Mugge.de – Torsten Meyer

 

Das Jahr 2011 bot ja nun wirklich einiges an Konzert-Highlights. Eins der herausragenden Ereignisse 2011 war fraglos die Geburtstagsparty von Mr. Speiche’s Monokel Blues Band am 27. Oktober im Kesselhaus der Berliner Kulturbrauerei. Es war ein gigantisches Event – Deutsche Mugge hat ausführlich darüber berichtet (Bericht: HIER).

Zwei Monate später liegt nun der CD-Mitschnitt dieses denkwürdigen Abends vor. Wer dabei war, wird sich jedoch beim Betrachten der Titelliste ein wenig wundern, denn scheinbar fehlt ein Großteil des Abends auf der Scheibe. Das stimmt tatsächlich, allerdings nur temporär. Speiche und seine Mannen gehen nämlich bei der Aufarbeitung des Events einen etwas anderen Weg, denn das Konzert wird in zwei Teilen veröffentlicht. Der erste Teil liegt in Gestalt der “Butter & Beton”-CD vor mir, und ich bin sehr gespannt, ob meine tollen Erinnerungen an das Konzert durch diese CD bestätigt werden. Auf dem Silberling befinden sich hauptsächlich Songs aus der Monokel-Historie, wobei die 12 Titel absolut identisch mit der ersten Stunde des Konzertes sind. Die zweite CD wird irgendwann 2012 erscheinen und soll, so lässt die Band auf ihrer Webseite verlauten, dagegen eher zukunftsweisend sein.

Während ich die CD in den Player lege und das ca. 2-minütige Intro läuft, habe ich Gelegenheit, einem Blick in das sehr gelungene, informative Booklet zu werfen. Dann geht es auch schon los es mit dem “Kindertraum”, und sofort bin ich angenehm überrascht vom druckvollen Sound. “Bye Bye Lübben City”, die eigentliche Monokel-Hymne, wird bereits an zweiter Stelle präsentiert. Eine clevere Idee, denn dadurch ist die Stimmung im Publikum bereits jetzt enorm gut. Leider hört man davon nur recht wenig, da hätte man die Regler ruhig ein bisschen weiter aufdrehen können. Wer live dabei war, wird mir zustimmen. Zwischen den Songs kommt hin und wieder mal eine kurze Ansage bezüglich der personellen Wechsel auf der Bühne oder die eine und andere Titelansage, ansonsten dominiert die Musik. Ein Monokel-Klassiker jagt den nächsten, ob nun “Amboss oder Hammer”, das “Boogie Mobil” oder “Oma Krüger” – es ist eine Zeitreise, die riesigen Spaß macht. Es wird eigentlich kaum ein Titel aus den glorreichen 80er Jahren ausgelassen. Mein persönliches Monokel-Highlight, nämlich “Schwarze Marie”, wurde auch nicht vergessen. Auffällig ist, dass sich die Songs natürlich soundtechnisch deutlich frischer anhören als die 30 Jahre alten Originale, ansonsten passieren aber in musikalischer Hinsicht keinerlei Überraschungen. Das ist okay, was will man auch großartig verändern? Aber spätestens mit Titel 10, als die Heinz Glass-Komposition “Tell Me” beginnt, ist erstmals das zu hören, was Live-Konzerte für mich ausmachen, nämlich das Abweichen von den bekannten Arrangements zugunsten von Einlagen der einzelnen Musiker. Ja, hier artet es beinahe schon in eine Session aus. Dieser Song treibt, groovt, powert ohne Ende, und jeder durfte mal ran und sein Können zeigen. Phantastische Gitarrenduelle zwischen Jürgen Bailey, Wille Borchert und Heinz Glass, der hier auch den Vocal-Part übernimmt, ein schönes Solo von Boddi Bodag, einige Harp-Einlagen von Sören Birke, und nicht zu vergessen der Saxophon-Auftritt von Reinhard Schmid lassen die Nummer auf eine Laufzeit von über 11 Minuten (!) anwachsen. Wenn ich mich auf der CD für einen Favoriten entscheiden müsste, dann wäre es dieser – so muss es live klingen!

Es folgt mit “You Talk Too Much” ein richtiger Blues-Rock-Hammer von George Thorogood, ehe ein alter Weggefährte von Speiche angekündigt wird: Pfundskerl Achim Mentzel! Hier ist er zu hören mit seinem ersten von drei vorgetragenen Songs, mit der Little Richard-Nummer “Lucille”. Leider kann man es auf der CD nicht sehen, aber es lässt sich immerhin erahnen, welche Energie von Achim Mentzel bei dieser Nummer freigesetzt wurde, mit welcher Wucht er die Bühne rockte, es war schier unglaublich. Ich denke, auch dieser letzte Titel des Albums knallt richtig rein.
Ich gestehe freimütig, ein großer Fan von Live-Mitschnitten zu sein. Doch manchmal ist die Kluft zwischen dem, was da von der Bühne schallt und eigentlich phantastisch klingt, und dem später auf CD zu hörenden Ergebnis erschreckend. In diesem Fall haben es die Produzenten jedoch ohne Wenn und Aber geschafft, den exzellenten Livesound der Band entsprechend auf der CD abzubilden, dafür ein riesiges Kompliment. Ich habe ein sehr feines Gehör (jedenfalls bilde ich mir das ein) und seziere gerade bei Livemusik gerne mal den angebotenen Sound. Im Ergebnis dessen muss ich neidlos anerkennen, dass hier von Anfang bis Ende eine hervorragende Abmischung aus den Boxen knallt. Die einzelnen Gitarren schrammeln anständig und sind gut voneinander zu unterscheiden, die Drums klingen satt und kernig. Wenn nötig, ist auch Boddi Bodags Tastenwerk vernehmlich zu hören, und Sören Birkes Harp kommt einfach super daher. Einzig Speiches Bass erscheint mir anfangs etwas zu dominant und vordergründig, aber das gibt sich mit der Zeit. Nicht vergessen darf man natürlich Zuppe Buchholz, dessen unverwechselbare Stimme auf der CD genauso wiedergegeben wird wie sie wirklich klingt: klar und deutlich, jedes Wort ist zu verstehen. Das ist ja weiß Gott nicht immer so bei Live-Produktionen.

Alles in allem liegt mit dieser CD eine würdige Nachlese zum ersten Teil des Jubiläumskonzertes im Kesselhaus vor. Man bekommt einen wunderbaren Querschnitt der frühen Monokel-Hits geboten, am Ende wird es dann international und richtig rockig. Vor allem das von mir bereits so hochgelobte “Tell Me” lässt erahnen, was dann im zweiten Teil des Konzertes abging. Ich wiederhole mich gerne: Der Sound ist phantastisch, das muss man bei einer Live-CD erst einmal so hinbekommen. Liebe Produzenten, vielen Dank! Somit fällt es mir auch überhaupt nicht schwer, für diesen Silberling eine unbedingte Kaufempfehlung auszusprechen. Hm, eigentlich müsste ich ja nach soviel Lob wenigstens noch eine kleine Meckerzeile einbauen, aber verdammt noch mal, mir fällt da leider nicht viel ein. Höchstens die Frage, warum nicht beispielsweise als Intro ein paar Sekündchen von Manne Chicago vorangestellt wurden, der ja das Publikum über eine Stunde lang mit seinem Boogie-Woogie-Piano wunderbar auf den Abend eingestimmt hat. Oder weshalb die eigentlich hervorragende Stimmung im Publikum nach meinem Geschmack ein bisschen zu sehr gedämmt wurde. Naja, das ist Jammern auf hohem Niveau und soll nun wirklich in keinster Weise den überaus positiven Gesamteindruck, den diese CD hinterlässt, schmälern.
Ob die Band-Strategie aufgeht, das Ereignis auf zwei Einzel-CDs zu splitten, wird sich zeigen. Mir wäre es lieber gewesen, ich könnte das Konzert in einem Rutsch genießen, aber das ist nur meine ganz bescheidene persönliche Meinung, die mir an dieser Stelle gestattet sei. Letztendlich haben sich Speiche und seine Mannen etwas dabei gedacht, es genau so und nicht anders durchzuziehen, und das muss man akzeptieren. Und wenn dann die zu erwartende Fortsetzung das hohe Niveau der hier vorliegenden ersten CD hält oder sogar noch übertrifft, hat Monokel definitiv alles richtig gemacht.
(Torsten Meyer)

 

Monokel Blues Band & Friends
35 Jahre Monokel Blues Band
Jubiläumskonzert – 27.10.2011, Kesselhaus, BerlinMonokel Blues Band & Friends
Kesselhaus, Berlin
27. Oktober 2011
Konzertbericht
Stil: Blues Rock
Fotos: Holger OttArtikel vom 03.11.2011
Mike Kempf

Es gibt Menschen in der Musikbranche, die ich nicht nur wegen ihrer musikalischen Fähigkeiten schätze, sondern auch wegen ihrer Menschlichkeit. Einer von ihnen ist Eddy Czesnick. Der ist zwar kein im Rampenlicht stehender Musiker, dafür aber ein Konzertveranstalter, Booker und neuerdings auch Manager der Monokel Blues Band. Darüber hinaus darf ich ihn zu meinem Freundeskreis zählen. Wenn Eddys Feuer in seinem tiefsten Inneren lodert, seine Augen funkeln, er durch nichts und niemanden zu stoppen ist, dann kommt solch ein Event wie das hier reviewte zustande, dem wir, Holgerund ich, letzten Donnerstag beiwohnen durften und während dem uns bewusst wurde, wie viel Arbeit, Zeit und Planung in so einer Veranstaltung steckt. Mehr dazu in einem später folgenden Interview, für das dieses Energiebündel auf meine Anfrage hin umgehend zusagte.In der Tat setzte Czesnick alle Hebel in Bewegung, um die Werbetrommel für das 35-jährige Bestehen der Monokel Blues Band und gleichzeitig den 65. Geburtstag Speiches ins Rollen zu bringen. Dass diese Aktion von Erfolg gekrönt wurde, bewies ein mit gut 1.100 Fans ausverkauftes Kesselhaus. Sicherlich trug auch die Ankündigung einiger Spezialgäste, wie z. B. Achim Mentzel oder Deutschlands Aushängeschild in Sachen Blues Rock, Henrik Freischlader, dazu bei, um die Location im Stadtteil Prenzlauer Berg bis auf den letzten Platz zu füllen.Als wir die Halle betraten, war diese noch fast menschenleer und so ergab sich für uns die Möglichkeit, zuerst Freischlader und anschließend das Monokel-Urgestein Speiche zu begrüßen, um mit beiden vorab einen kleinen Smalltalk zu halten. Um die Zeit bis zum Anfang des Gigs zu überbrücken, setzte sich Altmeister Manni Chicago ans Klavier, spielte und sang mit einer so unglaublichen Routine und Freude, dass ich meinte, er könnte noch bis in den Morgengrauen seinen Chicago Blues zelebrieren. Währenddessen hockte Speiche – tief in Gedanken versunken – auf einem Stuhl hinten im Dunkeln der Bühne und ich fragte mich, was ihm wohl gerade durch den Kopf ging. Mister Chicago hingegen ließ erst von den Tasten seines Pianos ab, als die Moderatoren, Michael Rauhut und Denise Schmidt, die Anwesenden aufs zu erwartende Programm einstimmten und die eine oder andere interessante Anekdote aus vergangenen Tagen der glorreichen ostdeutschen Band erzählten.Und dann war es endlich soweit! Die Band betrat die Bühne, ließ sich kurz abfeiern und startete dann die Reise in die Band-Biografie, indem sie aus fast allen Zeit-Epochen ihres musikalischen Schaffens Songs präsentierte, die den meisten Fans natürlich geläufig waren und von diesen zum Teil kräftig mitgesungen wurden. Dabei beeindruckte mich Sören Birke mit tollen Harmonika-Einlagen ebenso wie Olli Becker, der an diesem Abend wahre Schwerstarbeit an seiner Schießbude zu verrichten hatte. Außerdem Gesangskanone Bernd ‘Zuppe’ Buchholz, der bei einigen Songs dazu kräftig in seine Harp blies. Im Verbund mit den Gitarristen Heinz Glass (Epitaph), J.J. Bailey und Wille Borchert sowie Gast-Keyboarder Boddi Bodag schwebte ein Hauch von (N)Ostalgie-Rock durch die Halle. Kein Wunder, wurde die Band bereits 1975 in der damaligen DDR von Sebastian Baur und Pet Schneider ins Leben gerufen, bevor es 1976 erst so richtig los ging, u. a. mit der Bass-Legende Speiche.Um diese Nacht in Worte zu fassen, hätte ich locker ein Buch im Brockhaus-Format schreiben können, soviel Geschichten erzählte der Abend. Und mein Notizzettel wurde immer länger, bis ich schließlich merkte, dass es einfach unmöglich sein würde, jede Einzelheit zu dokumentieren. In jedem Fall muss der Abschnitt erwähnt werden, als Achim Mentzeldie Bühne betrat und mit “Lucille”, “Hey Tonight” und “Twist And Shout” drei Coverversionen offenbarte, die nicht nur durch sein Erscheinungsbild für Furore sorgten, sondern auch durch seine kräftige Stimme, die er ins Mikro trällerte. Ohne Zweifel gehoerte das zu den vielen Highlights des Abends. Der Entertainer tat genau das, wofür er verpflichtet wurde. Er nutzte die gesamte Bühne, um mit seiner Performance und seinen Textvorträgen für allerbeste Stimmung unter den Anwesenden zu sorgen. Schade nur, dass er gleich wieder weg musste. ZU gerne hätten wir später mit ihm noch ein paar Tassen Bier geschlürft.Folgend durften sich die Albert Anders Band mit “Das letzte Hemd” und Altgoldmit “Come Together” sowie “Corinna” für diesen Gig verewigen, dessen weitere Besonderheit war, dass dieser unvergessliche Abend von unzähligen Kameras mitgeschnitten wurde und voraussichtlich 2012 als DVD auf dem Markt erscheinen wird. Aller Voraussicht nach wird in diesem November schon mal eine CD von dem Konzert veröffentlicht werden.Und dann kam es zu dem ganz besonderen Special des Abends. Diese vertraute Fender-Telecaster, die ich schon gefühlte 1.000 Mal zu sehen oder hören bekam, betrat die Bühne, vergaß aber das Kabel mitzubringen und schickte ihren Besitzer, in Form von Henrik Freischlader, umgehend los, um sich das fehlende Utensil von ihm bringen zu lassen. Und als dieser das Kabel mit der Telecaster verband, die ersten Töne von seinen Händen ins Leben gerufen wurden, vernahm ich ein angenehmes Raunen der Fans, die zum Teil um die Qualität des Wuppertalers wussten. Aber auch diejenigen, die ihn noch nicht kannten, wurden fortan von der derzeitigen Ausnahmestellung des deutschen Bluesers überzeugt.Freischlader eröffnete sein fünfteiliges Intermezzo mit “Call Me The Breeze” (J.J. Cale, Lynyrd Skynyrd). Er ließ sich von vier weiteren Stromklampfen begleiten, dazu noch von zwei Schlagzeug-Sets (gespielt von Olli Becker und Tina Powileit, die 1987 bei der DEFA-Produktion ‘Die Alleinseglerin’ auch als Schauspielerin Lorbeeren einheimste, aber auch an den Drums eine gute Figur abgab). Mein persönlicher Kracher des Abends folgte mit “The Memory Of Our Love” von Henriks aktueller Platte
Still Frame Replay. WAS für ein Blues! Es waren aber nicht nur seine eigenen Soli, die uns zum Träumen veranlassten und für eine mucksmäuschenstille Arena sorgten, sondern er ließ auch seinen musikalischen Mitstreitern Glass, Borchert und J.J. Baileyviel Spielraum, was die zum Anlass nahmen, sich dem hohen Niveau nahtlos anzupassen und eindrucksvoll zu beweisen, welch sensible Saiten auch sie anschlagen konnten. Respekt, meine Herren!Live ist eben live und so zog Freischlader einfach seine Version von
Foxy Lady vor das eigentlich geplante The Blues und verlangte von den anderen Musikanten höchste Aufmerksamkeit, die er von Becker allerdings einmal vergebens erwartete, als dieser seinen Gesangs-Einsatz verpasste und Freischlader deshalb improvisierend eine Minute länger seine Gitarrenarbeit verrichten musste. Improvisation war für mich überhaupt das Motto des Konzerts und so gab mal J.J. Bailey per Fingerzeig an, wer gerade ein Solo beizutragen hatte. Oder es wurde durch Kopfnicken und Blickkontakte (von den meisten Zuschauern unbemerkt) kommuniziert, was dem Ganzen aber keinen Abbruch tat, sondern vielmehr genau DAS Salz in der Suppe war, welches diesem Event den Unvergesslichkeits-Stempel aufdrückte. Die letzte Nummer mit Freischlader hieß “Fool For Your Stocking” und erst danach ließen ihn die Fans mit frenetischem Applaus von der Bühne. War es von Anfang an ein tolle Vorstellung von Speiches Monokel Blues Band, so empfand ich, dass der Band durch die Präsenz von Henrik Freischladerund seinen filigranen Gitarrenläufen noch mal ein gehöriger Schub nach vorne verpasst wurde und alle Beteiligten die Zusammenarbeit in vollen Zügen genossen.Bei “T For Texas” gab sich der in die Jahre gekommene Violinen-Spezi Hans die Geige die Ehre. Und ließ es sich trotz eines ihm widerfahrenen Unfalls nicht nehmen, die Fans mit glänzendem Geigenspiel zu beeindrucken. Letztlich war es das volle Line-up, insgesamt sechzehn Musiker(!), das sich zum Ende auf der Bühne versammelte und gemeinsam dem vollen Kesselhaus noch mal musikalisch alles gab, um uns nach gut vier Stunden Bühnenpräsenz (inkl. einer 20-minütigen Pause) die letzte Kraft aus den platten Füßen zu saugen. Es war schon fast ein Wunder, dass die Sicherungen des Kesselhauses, wegen der zahlreich und gleichzeitig eingesetzten Instrumente, stand hielten. Völlig fertig, aber äußerst angetan vom Ost-Berliner Blues-Ensemble stellte ich wieder mal fest, dass Musik verbindet. Bei geschätzten 90% an ostdeutschen Besuchern wurden wir als ‘Westler’ haufenweise mit Infos, Anekdoten, Geschichten und Tipps versorgt, die uns an diesem Abend die Erkenntnis brachten, dass es in der Berliner Musikszene längst keine Mauer mehr gibt! Und zu allerletzt verlas ‘Zuppe’ Buchholz das Line-up mit reichlich Danksagungen, von denen die letzte Eddy Czesnick gewidmet wurde, ohne dessen Engagement dieses denkwürdige Konzert niemals zu Stande gekommen wäre. Danke Eddy!

 

Mein Anzeiger – Eisenach v. 11.10.2012:

“Monokel” in Urbesetzung: Blues … am Wochenende im Schlachthof Eisenach

Wann? 12.10.2012 20:00 Uhr bis 14.10.2012 01:00 Uhr
Wo? Schlachthof Eisenach, Langensalzaer Straße 43, 99817 Eisenach

 

Ur-Monokel spielen im Schlachthof (Foto: Monokel)Eisenach: Schlachthof Eisenach | Am 12. und 13. Oktober stehen dem Schlachthof Eisenach wieder zwei Veranstaltungen ins Haus. Am Freitag spielt die legendäre Monokel-Bluesband aus Berlin, während am Samstag härtere Klänge zum „War in Pieces“-Abend folgen.
Seit 36 Jahren schnauft die Kraftblues-Lokomotive „Monokel” aus Berlin, und so lange erzählen ihre Lieder von den Menschen dieses Landes in den verschiedenen Zeiten. Immer mit dabei auch die alten Hits aus den „Bye Bye Lübben City“-Zeiten und natürlich viele neue Songs. Die diesjährige Jubiläumstour von Speiches Monokel Band ist dabei gespickt mit zahlreichen Überraschungen. Neben gemeinsamen Auftritten mit internationalen Größen des Rock & Blues sind neue Programmbestandteile erarbeitet worden und es wurden Gäste eingeladen. Die Band ist aktiv und entwickelt sich von Konzert zu Konzert nach wie vor weiter. Weitere Jubiläen stehen ins Haus und Jörg “Speiche” Schütze, der Bandvater, steht dabei im Mittelpunkt. Sein 50 jähriges Bühnenjubiläum und sein 66. Geburtstag stehen ins Haus. Deshalb soll das kommende Wochenende ein ganz Besonderes werden. In nur 2 Konzerten wird die Ur-Monokel-Band zu erleben sein. Am Freitag in Eisenach mit Fank „Gala“ Gahler, Knorkator Gitarrist Basti “BuzzDee” Baur, Wille Borchert und Speiche werden die Mitstreiter der aller ersten Monokel-Jahre nach sehr langer Zeit wieder gemeinsam rocken. Begleitet von Olli Becker (Hansi-Biebl-Band) am Schlagzeug und dem legendären Sänger der Band aus den 80igern, Bernd “Zuppe” Buchholz, liegt ein zweiteiliges Programm auf der Hand. Die 70iger und 80iger Jahre einer der einflussreichsten Bands der ehemaligen DDR werden zur Gehör gebracht und dabei werden, vor allem im Set der 70iger, längst vergessene Songs in einem frischen Gewand ihre Wiedergeburt erleben. Die Schlachthof-Besucher werden dieses einmalige Konzert am Freitag ab 21 Uhr erleben können, der Eintritt kostet 15 Euro (12 im Vorverkauf über www.schlachthof-eisenach.de).
….www.schlachthof-eisenach.de.

 

 

Hinterlasse eine Antwort